Msgr. Otto Mauer Preis 2015 an CATRIN BOLT

(Wien, 12. November 2015)
Der Otto Mauer Fonds vergibt den mit 11.000 Euro dotierten Preis heuer zum 35. Mal. Prämiert wird das gesamte bisherige Werk einer Künstlerin oder eines Künstlers unter 40 Jahren. Diesjährige Preisträgerin ist die in Kärnten geborene, derzeit in Wien lebende und arbeitende Künstlerin Catrin Bolt.

Preisverleihung
Der Preis wurde von Generalvikar Dr. Nikolaus Krasa am Donnerstag, den 03. Dezember 2015, um 19.30 Uhr in den Festräumen des Erzbischöflichen Palais, Wollzeile 2, 1010 Wien, an Catrin Bolt übergeben.

Pressetexte als Download
Presseinformation Msgr. Otto Mauer Preis 2015
Biografie Catrin Bolt
Künstlerisches Werk Catrin Bolt

Msgr. Otto Mauer Preis 2015
v.l.n.r.: Meinrad Handstanger, Generalvikar Nikolaus Krasa, Catrin Bolt
Foto: kathbild.at / Franz Josef Rupprecht

Im Rahmen der Berichterstattung zur MSGR. OTTO MAUER-PREISTRÄGERIN 2015 ist das Fotomaterial honorarfrei verwendbar. Durch Klicken auf die Bilder gelangen Sie zu den Fotos in Originalgröße.

Ausstellungseröffnung
Catrin Bolt
Kapital und Interessen, meine Schulden groß und klein werden einst verrechnet sein
Freitag, 4. Dezember 2015 um 19.30 Uhr
JesuitenFoyer, Bäckerstraße 18, 1010 Wien

Ausstellungsdauer: 6. Dezember 2015 bis 24. Jänner 2016
Öffnungszeiten: Montag und Dienstag 16.00 – 19.00 Uhr sowie
Sonntag 12.00 – 13.00 Uhr
oder nach telefonischer Vereinbarung +0043 699 11 441 567
Zwischen 21. Dezember 2015 und 9. Jänner 2016 sowie an Feiertagen geschlossen

Der Eintritt ist frei.

Msgr. Otto Mauer Preis 2015
v.l.n.r.: Generalvikar Nikolaus Krasa, Catrin Bolt, Meinrad Handstanger
Foto: kathbild.at / Franz Josef Rupprecht

Begründung der Jury
Die Jury des Msgr. Otto Mauer Preises 2015, bestehend aus Rainer Fuchs, Luisa Kasalicky, Hubert Lobnig, Johanna Schwanberg und Gustav Schörghofer SJ, entschied einstimmig, den diesjährigen Msgr. Otto Mauer Preis Catrin Bolt zuzuerkennen.
„Mit Catrin Bolt wird eine Künstlerin ausgezeichnet, die in einer Tradition der konzeptionellen und institutionskritischen Kunst steht. Sie bewegt sich bewusst außerhalb des Kunstestablishments und fungiert als genaue Beobachterin von gesellschaftspolitischen Entwicklungen.
Bolt trifft in ihren Arbeiten konsequente Entscheidungen, die sie formal präzise formuliert. In ihrem interdisziplinären Ansatz verwendet sie vielfältige Medien, insbesondere Sprache, Fotografie, Video und Performance; dabei kommen eigene und fremde Materialien sowie Artefakte zum Einsatz.
In den Arbeiten Catrin Bolts schwingt bei allem ernsthaften politischen Engagement stets eine feine Ironie mit. Die Jury schätzte beispielsweise den Witz ihrer temporären ‚Guerilla-Skulpturen’ (2011); diese bestehen aus zusammenklappbaren Holzsesseln, die Bolt an für Skulpturen typischen Orten, wie Kreisverkehren oder vor Bahnhöfen aufbaute, fotografierte und wieder abbaute.
Bolts Werke im öffentlichen Raum setzen sich mit der Denkmalkultur auseinander. In kritischer Weise bezieht sie die geschichtliche und gegenwärtige Situation des jeweiligen Orts mit ein. Auf dem Gelände des ehemaligen Zwangsarbeitslagers Viehofen in St. Pölten, das heute mit einem Schotterteich als Naherholungsgebiet dient, stellte Bolt 2010 ‚Orientierungstafeln’ auf. Sie ähneln auf den ersten Blick vertrauten Wanderkarten. Doch die Luftaufnahmen der Alliierten zeigen die Situation zum Ende des Zweiten Weltkriegs mit den Lagern. Ein roter Punkt markiert den Betrachterstandpunkt und verbindet Vergangenheit und Gegenwart.
Besonders überzeugte die Jury, dass sich die Arbeiten von Catrin Bolt vor dem Hintergrund der aktuellen weltweiten gesellschaftlichen Umbrüche bewähren, ja geradezu an Aktualität noch dazu gewonnen haben. Deutlich wird dies am Beispiel des Mahnmals ‚Alltagsskulpturen’ (2014), in dem Bolt in großen Lettern Texte von Holocaustüberlebenden auf die Gehsteige jener Orte schrieb, an denen die Ereignisse stattfanden. Ein Ort dieser Interventionen war unter anderem der Bahnsteig 5 des Wiener Westbahnhofs, der in den letzten Wochen zu einem der Kristallisationspunkte der Flüchtlingsthematik wurde.
Der Otto Mauer Preis 2015 wird somit einer Künstlerin verliehen, die sich nicht scheut, brisante Themen aufzugreifen. Ihre Arbeiten sind gekennzeichnet durch die Gleichzeitigkeit von Geschichtsbewusstsein und gesellschaftlichem Engagement, konzeptuellem Kalkül und ästhetischem Anspruch.“

Msgr. Otto Mauer Preis 2015
v.l.n.r.: Catrin Bolt, Generalvikar Nikolaus Krasa
Foto: kathbild.at / Franz Josef Rupprecht

Seit 1981 verleiht der Otto Mauer Fonds der Erzdiözese Wien den Msgr. Otto Mauer Preis für bildende Kunst. Der Fonds wurde von Kardinal Dr. Franz König und dem Erben Msgr. Otto Mauers, Prälat Dr. Karl Strobl, gegründet. Aufgabe der Einrichtung ist es, das besondere Anliegen von Monsignore Otto Mauer, den Dialog zwischen Kirche, Kunst und Wissenschaft lebendig zu halten und weiterzuführen.

In den vergangenen 35 Jahren waren insgesamt rund 90 prominente VertreterInnen aus dem zeitgenössischen Kunstbereich – KünstlerInnen, KuratorInnen, MuseumsdirektorInnen und JournalistInnen – in der alljährlich wechselnden Jury vertreten.

Folgende KünstlerInnen haben den Msgr. Otto Mauer Preis für bildende Kunst erhalten:
Alfred Klinkan (1981), Gottfried Mairwöger (1982), Erwin Bohatsch (1983), Erwin Wurm (1984), Gunter Damisch (1985), Franz West (1986), Gustav Troger (1987), Peter Kogler (1988), Brigitte Kowanz (1989), Christoph Luger (1990), Martin Walde (1991), Lois Renner (1992), Heimo Zobernig (1993), Tobias Pils (1994), Maria Hahnenkamp (1995), Otto Zitko (1996), Aglaia Konrad (1997), Gregor Zivic (1998), Manfred Erjautz (1999), Florian Pumhösl (2000), Michael Kienzer (2001), Dorit Margreiter (2002), Simon Wachsmuth (2003), Esther Stocker (2004), Jun Yang (2005), Bernhard Fruehwirth (2006), Ursula Mayer (2007), Isa Rosenberger (2008), Siggi Hofer (2009), Katrina Daschner (2010), Kamen Stoyanov (2011), Ralo Mayer (2012), Luisa Kasalicky (2013) und Nilbar Güreş (2014).

Catrin Bolt
Fotoserie Guerilla-Skulpturen (Fluss), 2011
Foto: Catrin Bolt
© Bildrecht, Wien 2015

Otto Mauer Fonds Projektförderung 2015
Neben der jährlichen Vergabe des Msgr. Otto Mauer Preises fließt der weitaus größte Teil der Mittel des Otto Mauer Fonds in Projektförderungen in den Bereichen bildende Kunst, Musik, Theater, Wissenschaft, Erziehung und Erwachsenenbildung. 2015 wurden u.a. folgende Projekte vom Otto Mauer Fonds unterstützt:

Für ihre Publikationen erhielten Birgit Knoechl („Aspects of growth“), Hans-Jürgen Poetz („see trau’n“), Werner Reiss („Die Gespräche der Stipendiaten“) und die Msgr. Otto Mauer Preisträgerin Aglaia Konrad („La Scala“) finanzielle Unterstützung durch den Otto Mauer Fonds, ebenso Klaus Mosettig („Withdrawal“), Viktoria Tremmel („Aktive Stagnation“) und Anna Mitterer („La Chambre d’Ortolan“) für ihre KünstlerInnenbücher.

Im Bereich Film förderte der Otto Mauer Fonds 2015 Cana Bilir-Meier in der Erstellung eines Dokumentarfilms als Auseinandersetzung mit der Geschichte der Zensur in der Kunst anhand des Filmes „Yorgun Savaşçi“, den experimentellen Essayfilm „Mutter von Mutter“ von Amina Handke, den Puppenanimationsfilm „Who’s that bird?“ von Manuela Molin, Ruth Kaaserers Filmprojekt „Gwendolyn“ über eine Gewichtheberin Mitte 60 und die Mehrkanal-Videoinstallation „Auroville. City of Future“ von Heidrun Holzfeind sowie die dokumentarische Videoinstallation „Athens‘ Solidarity“ zur Lage des Gesundheitssystems in Griechenland von Bernhard Hetzenauer. Carola Dertnig erhielt eine Förderzusage für das Videoprojekt „We don’t need your education – Hey! Teacher! Leave those kids alone!“, das sich mit den Themen Bildung und Erziehung auseinander setzt.

Der Otto Mauer Fonds förderte Gerlinde Miesenböck mit ihrem Fotografieprojekt „botanica“, das die Beziehung zwischen Mensch und Natur im häuslichen Bereich thematisiert.

Für die Eröffnung des Dom Museum Wien wurde die Filminstallation zu Monsignore Otto Mauer „Was Kunst überhaupt sei…“ von Isa Rosenberger teilfinanziert.

„Flat1“, ein freier Kunstraum in Wien, wurde in den Gruppenausstellungen zum Jahresthema „Subversion“ ebenso unterstützt, wie ein Ausstellungsprojekt zu Migration und translokalen Fluchtbewegungen“ von Roland Schöny im Ausstellungs- und Projektraum FJK3 sowie die derzeit laufende Ausstellung „Schicksal.Mensch. Christliche Gemälde von Hans Wulz“ im Curhaus in Wien.

Im Bereich der Integration förderte der Otto Mauer Fonds das Projekt „Reißverschluss. Weil wir uns nicht verschließen!“, der youngCaritas, das es sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung in die Modewelt zu inkludieren, und das Sozialprojekt „Kreativ am Werk“, aktuell mit der Theaterproduktion „SchonZeit“ von Christian Suchy.

Im wissenschaftlichen Bereich wurden im Jahr 2015 die Symposien „Die Gläserne Gesellschaft“ zum Thema der Überwachung, „Das autonome Subjekt?“ über aktuelle Neuro-Enhancement-Debatten sowie die Gesprächswoche des Forums St. Stephan „Junge Forschung und ihre gesellschaftliche Relevanz“ und die interdisziplinäre Sommerakademie zum Thema „Modelle“ des Österreichischen Studienförderungswerks PRO SCIENTIA gefördert.

Die einzelnen Projekte wurden mit 500 bis 10.000 Euro teilfinanziert.

Organisation
Otto Mauer Fonds
MMag. Lisa Simmel, Geschäftsführerin
Währinger Straße 2–4, 1090 Wien
T 0043 1 51 552 DW 5103
E office@otto-mauer-fonds.at

Presse
Mag. Christina Werner
w.hoch.2wei, Kulturelles Projektmanagement
Breite Gasse 17/4, Wien 7
T 0043 1 524 96 46 DW 22
F 0043 1 524 96 32
E werner@kunstnet.at

Weitere Informationen unter:
Catrin Bolt Universität Wien
Catrin Bolt Universalmuseum Joanneum
Catrin Bolt publicart

Catrin Bolt
Fotoserie Guerilla-Skulpturen (Gemeindezentrum), 2011
Foto: Catrin Bolt
© Bildrecht, Wien 2015

Catrin Bolt
Fotoserie Skulpturenpfad Garikula, 2005
Foto: Catrin Bolt
© Bildrecht, Wien 2015

Catrin Bolt
Fotoserie Skulpturenpfad Garikula, 2005
Foto: Catrin Bolt
© Bildrecht, Wien 2015

Catrin Bolt
Plastiklandschaft, Galerie nectar, 2015
Foto: Catrin Bolt
© Bildrecht, Wien 2015

Catrin Bolt
Plastiklandschaft, Galerie nectar, 2015
Foto: Catrin Bolt
© Bildrecht, Wien 2015

Catrin Bolt
Orientierungstafel, Mahnmal für die Zwangsarbeitslager
St. Pölten-Viehofen, 2010/2011
Foto: Catrin Bolt
© Bildrecht, Wien 2015

Catrin Bolt
Alltagsskulpturen Mahnmal, 2014
Detail
Foto: Catrin Bolt
© Bildrecht, Wien 2015

Catrin Bolt
Alltagsskulpturen Mahnmal, 2014
Praterhauptallee
Foto: Catrin Bolt
© Bildrecht, Wien 2015

Catrin Bolt
Alltagsskulpturen Mahnmal, 2014
Kleine Sperlgasse
Foto: Catrin Bolt
© Bildrecht, Wien 2015

Catrin Bolt
Msgr. Otto Mauer Preisträgerin 2015
Portrait
Foto: Catrin Bolt
© Bildrecht, Wien 2015

Im Rahmen der Berichterstattung zur MSGR. OTTO MAUER-PREISTRÄGERIN 2015 ist das Fotomaterial honorarfrei verwendbar. Durch Klicken auf die Bilder gelangen Sie zu den Fotos in Originalgröße.